John Arthur 'Jack' Johnson

Boxweltmeister, Vorbild und Clubgründer

Jack Johnson gründete den Vorläufer des legendären Cotton Clubs, den Club Delux in New York und war erster schwarzer Boxweltmeister im Schwergewicht der Boxgeschichte.

Der Grund, warum ich mich mit dem Boxer Jack Johnson beschäftige ist, dass ich seit Anfang des Jahres auf Spurensuche bin, im Buch Schau heimwärts, Engel! des US-amerikanischen Schriftstellers Thomas Wolfe. Ich untersuche alle Phänomene, Metaphern, Autoren und Begriffe, die im Buch erwähnt werden und mir unbekannt sind.

Es geht um dieses Zitat:

Sag ihnen, wer Du bist, Othello, rief ihm Doc Hines nach. Sonst halten sie Dich für den Negerboxer Jack Johnson.

Quelle: Wolfe, Thomas: Schau heimwärts, Engel!, Rowohlt Verlag, Hamburg 1954

Wer war dieser Boxer, warum war er vielleicht außergewöhnlich oder bemerkenswert?

John Arthur 'Jack' Johnson - Jack Johnson im Jahr 1908 in einer Aufnahme von Otto Sarony.
Jack Johnson im Jahr 1908 in einer Aufnahme von Otto Sarony.
Versklavte Eltern

Schulabbruch mit 6 Jahren

John Arthur „Jack“ Johnson wurde am 31. März 1878 in Galveston, Texas als eins von neun Kindern von Tina und Henry Johnson geboren. Seine Eltern waren ehemalige Sklaven und stammten aus Ghana. Sein Vater kämpfte im amerikanischen Bürgerkrieg im nur aus Schwarzen bestehenden 38ten Infanterieregiment. Über seinen Vater sagte Johnson einmal, er sei:

das perfekteste physische Exemplar, das er je gesehen hatte

Quelle: Wikpedia

Mit nur sechs Jahren verließ das gebrechliche Kind die Schule und arbeitete in den Docks von Galveston, Texas. Später nahm er einen Job an der Rennbahn von Texas in Dallas an, kam schließlich zum Kutschenmaler Walter Lewis, der gerne Boxern beim Sparring zu sah. So geriet Johnson ans Boxen.

Er zog nach New York, wohnte mit dem Weltergewichtskäpfer Joe Walcott zusammen, zog wieder zurück nach Galveston, wo er eine Arbeit als Hausmeister einer Turnhalle begann, die dem deutschstämmigen Schwergewichtsboxer Hermann Bernau gehörte.

Gefängnis mit 20

Auftakt der Boxkarriere

Nach seinem dritten professionellen Boxkampf 1898 gegen Joe Choynski, einen beliebten weißen Schwergewichtsboxer, wurden beide Boxer verhaftet, da Boxen gegen Preisgeld zu der Zeit in Texas verboten war. Der Sheriff von Galveston erlaubte es beiden nachts nach Hause zu gegen, wenn sie tagsüber in der Zelle gemeinsam Boxen trainieren würden. Und so lernte Jack Johnson in einer Gefängniszelle in Galveston, Texas das Boxen. Choynski sagte später über Johnson:

Jack Johnson

Ein Mann, der sich so bewegen kann wie Du, sollte niemals einen Schlag einstecken müssen.

Quelle: The New York Times. May 26, 2018.

Schwergewichtsweltmeister

Auf der Jagd nach einem Gegner

Bis 1903 hatte Jack Johnson bereits mindestens 50 Kämpfe sowohl gegen weiße als auch gegen schwarze Gegner gewonnen. Johnson gewann seinen ersten Titel um die Weltmeisterschaft im Schwergewicht der Farbigen am 3. Februar 1903 und schlug Denver Ed Martin in einem 20-Runden-Match nach Punkten.

Nun bemühte sich Johnson auch den Weltmeistertitel im Schwergewicht zu gewinnen, dies wurde jedoch dadurch vereitelt, dass sich der amtierende weiße Weltmeister James J. Jeffries weigerte, gegen ihn anzutreten.

Am 26. Dezember 1908 schließlich gewann Jack Johnson den Weltmeistertitel im Kampf gegen den amtierenden Weltmeister und Kanadier Tommy Burns in Sydney. Johnson war Burns 2 Jahre lang über die gesamte Erdkugel nachgereist und hatte ihn immer wieder öffentlich verspottet, um ihn zu diesem Kampf zu provozieren. Der über 14 Runden gehende Boxkampf wurde schließlich von der Polizei beendet und Johnson zum Sieger erklärt.

Nach Johnsons Sieg über Burns ging die Rassenfeindlichkeit unter den Weißen in den USA so tief, dass sie forderten, eine große Weiße Hoffnung müsse auf den Plan treten, um Johnsons unwürdige Ära als schwarzer Weltmeister zu beenden. Er wurde von vielen weißen Hoffnungen zu Titelkämpfen aufgefordert, die er aber alle gewann.

The Washington herald, June 26, 1910, Sporting Section, Image 36
The Washington herald, June 26, 1910, Sporting Section, Image 36
Ein Ereignis in Reno, Nevada

Der Kampf des Jahrhunderts

William Waring Cuney

MY LORD, WHAT A MORNING

Oh, my Lord
What a morning,
Oh, my Lord,
What a feeling,
When Jack Johnson
Turned Jim Jeffries?
Snow-white face
Up to the ceiling.
Yes, my Lord,
Fighting is wrong,
But what an uppercut.
Oh, my Lord,
What a morning,
Oh, my Lord
What a feeling,
When Jack Johnson
Turned Jim Jeffries?
Lily-white face
Up to the ceiling.
Oh, my Lord
What a morning,
Oh, my Lord
Take care of Jack.
Keep him, Lord
As you made him,
Big, and strong, and black.

William Waring Cuney, Quelle: Bush Theatre

William Waring Cuney geb. 6. Mai 1906 - gest. 30. Juni 1976) war ein Dichter der Harlem Renaissance

 

1910 kam James J. Jeffries aus dem Ruhestand zurück, um wie er es sagte:

Ich gehe in diesen Kampf allein zu dem Zweck, zu beweisen, dass ein Weißer besser ist als ein Schwarzer.

Quelle: David Remnick, The Guardian, Struggle for his soul

Der Washington Herald rechnete am 26. Juni 1910 vor, wie die Chancen für Jeffries standen, und wenn man sich heute, 110 Jahre später, die Tabelle anschaut, dann standen schon vor dem Kampf alle Zeichen für Johnson. (Siehe das Bild oben)

Die schon im Vorfeld von den Medien hochgekochten rassischen Spannungen spitzten sich vor dem Boxkampf am 4. Juli 1910 weiter zu. Um Schaden von den Boxern abzuwenden, wurden Schusswaffen in der Arena, der Verkauf von Alkohol und Äpfeln vor dem Boxkampf verboten. Für den Kampf wurde eigens in der Innenstadt von Reno ein Boxring mit Plätzen für 20.000 Menschen errichtet. Jeffries hatte keine Chance und erwies sich als unfähig Johnson im Ring seinen Willen aufzuzwingen. In der 15. Runde, nachdem ihn Johnson zweimal niedergeschlagen hatte, warf Jeffries das Handtuch. (Foto: Jeffries knocked out, The Call vom 06. Juli 1910 ) Johnson bemerkte später zu dem Kampf, dass er wusste, das Jeffries am Ende war, als er ihm in der 4. Runde einen Aufwärtshaken ins Gesicht landete. Über den Kampf wurde der Film The Johnson-Jeffries fight gedreht, Ausschnitte daraus gibt es auf Youtube.

Jack Johnson über James J. Jeffries

Das alte Schiff war am Sinken.

Quelle: Wikipedia

Jeffries sagte selbst über Johnson, dass er diesen nicht in 1000 Jahren schlagen könnte. Johnson brachte der Kampf die eindrucksvolle Prämie von 65.000 Dollar ein, was heute ungefähr fast 2 Millionen Dollar entspricht.

Unruhen

Nach dem Kampf kam es noch am Abend des 4. Juli zu Unruhen in über 25 amerikanischen Städten. Teile der weißen Bevölkerung fühlten sich durch Johnsons Sieg gedemütigt, die Hoffnung auf einen Sieg der "großen weißen Hoffnung" war dahin.

Die schwarze Bevölkerung hingegen jubelte über den Sieg und feierten ihn als Erfolg. Der schwarze Dichter William Waring Cuney schrieb das Gedicht My Lord, What a morning über den Sieg Johnsons und hob in ihm die Reaktion der schwarzen Bevölkerung auf den Sieg hervor.

Bei den Unruhen wurden über zwanzig Menschen getötet und hunderte weitere verletzt.

Ende der Karriere

Leben, Flucht, Gefängnis und der Cotton Club

Auch unter dem amtierenden und nun schwarzen Weltmeister Jack Johnson hielt der rassistische Bann gegen schwarze Boxer an. Johnson weigerte sich gegen schwarze Boxer Verteidigungskämpfe auszutragen. Von den Verbänden wurden schwarze Boxer und Herausforderer boykottiert. In der schwarzen Community wurde Johnson für sein Verhalten sehr kritisiert. Am 5. April 1915 verlor Johnson seinen Titel an Jess Willard, einen arbeitenden Cowboy aus Kansas, der im Alter von siebenundzwanzig Jahren mit dem Boxen begann. Vor 25.000 Zuschauern auf der Oriental Park Rennbahn in Havanna, Kuba, wurde schied Johnson in der 26. Runde des über 45 Runden geplanten Kampfes aus. Obwohl Johnson fast jede Runde gewonnen hatte, begann er nach der 20. Runde zu ermüden und wurde in den Runden vor dem K.o. in der 26. Runde häufig von Willard schwer getroffen. (Quelle: Wikipedia)

Nach seiner Box-Karriere führte Johnson ein ausschweifendes Leben mit schnellen Autos und maßgeschneiderter Kleidung. Für Frauen gab er viel Geld aus, schenkte ihnen Pelze und Schmuck. Über die damaligen Konventionen zum richtigen Platz eines Schwarzen in der amerikanischen Gesellschaft setzte er sich hinweg. Johnson eröffnete im Juli 1912 den Club Café de Champion in Chicago, 1920 machte er in New York, Harlem Ecke 142. Straße und Lenox Avenue den Club Delux auf, der 1923 von Owney „The Killer“ Madden übernommen und in den legendären Cotton Club umgewandelt wurde.

Mann Act

Im Jahre 1912 wurde Johnson mehrmals wegen des Verstoßes gegen den Mann Act verhaftet. Dieses Gesetz verbot es Minderjährige über die Staatsgrenzen zu bringen. Primäre erklärte Absicht des Gesetzes war es, gegen Prostitution, Unmoral und Menschenhandel vorzugehen. Johnson kam auf Kaution frei, ließ die Kaution sausen und floh, getarnt als Team-Mitglied einer Baseball-Mannschaft nach Kanada und schließlich nach Europa, wo er 7 Jahre lebte. 1920 kehrte er in die USA zurück, wurde erneut verhaftet und saß ein Jahr Gefängnis ab.

Am 10. Juni 1946 starb der Boxer Jack Johnson bei einem Autounfall auf dem US-Highway 1 in der Nähe von Franklinton, North Carolina.

Begnadigung

In den letzten 20 Jahren gab es viele Versuche Johnson posthum zu begnadigen und schließlich war es tatsächlich Donald J. Trump, der dies am 24. Mai 2018 während einer Zeremonie tat, im Beisein von Mauricio Sulaiman, Hector Sulaiman, Sylvester Stallone, Deontay Wilder und Lennox Lewis. Jack Johnson wurde bereits 1993 in die International Boxing Hall of Fame aufgenommen.

Johnsons Leben wurde zweimal verfilmt. Die große weiße Hoffnung (Trailer) ist ein eher romantisches Filmdrama von Martin Ritt aus dem Jahr 1970, nach dem mit dem Pulitzer-Preis für Dramen ausgezeichneten gleichnamigen Stück von Howard Sackler über die Lebensgeschichte des Boxers. In der Hauptrolle der junge James Earl Jones. Ken Burns drehte 2004 die Dokumentation Er wollte kein Sklave sein ( Unforgivable Blackness: The Rise and Fall of Jack Johnson) über den schwarzen Boxer aus Galveston, Texas. (Trailer/Summary)

tl, dr;

Der schwarze Boxer Jack Johnson wurde 1908 der erste schwarze Boxweltmeister im Schwergewicht. Sein Titelverteidigungskampf gegen den Weißen James J. Jeffries in Reno, Nevada, wurde lange als Kampf des Jahrhunderts bezeichnet. Johnson gründete in New York den Club Delux, den Vorläufer des Cotton Clubs.

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