Spätsommerfreuden mit dem Rad

Eine Radtour von Paderborn entlang von Alme, Diemel, Weser, Werre bis nach Detmold

Im September 2021 radelten meine Ehefrau und ich auf einer mehrtägigen Tour entlang Alme, Diemel, Weser und Werre. Ziel war eine gemütliche, entspannte Tour mit wenigen Höhenmetern, aber schönen Aussichten und viel Wasser dabei. Genau das ist diese Tour auch geworden. Sie war purer Genuss.

Eigentlich wollten wir in den Cevennen wandern gehen, aber natürlich hat uns der Corona-Virus auch im Jahr 2021 einen Strich durch diese Pläne gemacht. Für zwei Wochen nach Frankreich zu reisen, dies erschien uns unangemessen. Was also tun?

"Lass uns eine Radtour machen, was hältst Du davon", fragte ich meine Frau, "wenn wir hier in der Nähe fahren, dann ist die An- und Rückreise zur und von der Radtour nicht weit. Die Gegend ist schön und wir haben Gelegenheit die bedeutende Architektur der Weserrenaissance zu erleben, entlang von Bächen und Flüssen zu radeln. Als Höhepunkte habe ich Warburg, die Kloster- und Schlossanlage von Corvey, Höxter, Hameln, das Hermannsdenkmal und die Externsteine vorgesehen." "Einverstanden, das hört sich sehr gut an."

Nicht alles kam so, wie wir es dachten.

Spätsommerfreuden mit dem Rad - Frisch prickelt der kühle Morgennebel im Gesicht - eine Freude hier zu fahren.

Morgennebel hinter Kloster Corvey

Frisch prickelt der kühle Morgennebel im Gesicht - eine Freude hier zu fahren.
Foto: Thomas Schürmann, Samsung S7, 03.09.2021

Notizen, Inspiration und Streckenorte

Wo gings lang?

329 Kilometer, 845 Höhenmeter hinauf und 836 Höhenmeter hinunter - über Borchen, Henglarn, Atteln, Dalheim, Blankenrode, Hardehausen, Rimbeck, Warburg, Dalheim, Haueda, Liebenau, Lamerden, Eberschütz, Trendelburg, Bad Karlshafen, Beverungen, Blankenau, Werden, Fürstenberg, Höxter, Corvey, Lüchtringen, Holzminden, Forst, Polle, Dölme, Rühle, Bodenwerder, Hehlen, Hajen, Grohnde, Hagenohsen, Tündern, Hameln, Wehrbergen, Fischbeck, Hessisch Oldendorf, Ahe, Engen, Rinteln, Varenholz, Erder, Vlotho, Rehme, Bad Oeynhausen, Löhne, Falscheide, Herford, Bad Salzuflen, Schötmar, Waddenhausen, Lage, Detmold - und mit dem Auto über das Hermannsdenkmal zurück nach Paderborn.

Spätsommerfreuden mit dem Rad - Abreise wahlweise mit dem Auto oder dem Zug

Karte der Route

Abreise wahlweise mit dem Auto oder dem Zug
Foto: Thomas Schürmann, Quelle: Openstreetmap, 12.2021

„Wenn du niedergeschlagen bist, wenn dir die Tage immer dunkler vorkommen, wenn dir die Arbeit nur noch monoton erscheint, wenn es dir fast sinnlos erscheint, überhaupt noch zu hoffen, dann setz dich einfach aufs Fahrrad, um die Straße herunterzujagen, ohne Gedanken an irgendetwas außer deinem wilden Ritt.“

Arthur Conan Doyle

„Das Radfahren macht mir eine große Freude: Es ist wunderschön, ein bisl ermüdet und erhitzt sich irgendwo hinzusetzen und über die Sträucher, die Wiesen und Hügel hinzuschauen und abends ist es sogar wunderschön in den Straßen der Vorstädte zu fahren.“

Hugo von Hofmannsthal

Tag 1 - Von Paderborn bis Warburg - 66 km

Traumeinstiegstag

Los ging es morgens um 9 Uhr in Paderborn. An der Ecke Frankfurter Weg, Barkhauser Straße hat man einen direkten Einstieg in die Strecke, da hier direkt der Radweg nach Borchen beginnt.

Vorteil dieser Tagestour: Nur sehr kurze Streckenabschnitte führen über Straßen, der größere Teil über Radwege und schmale geteerte Acker- und Landwirtschaftswege. Und der Radweg begann direkt an der Barkhauser Straße. Entlang der Alme geht es auf schönen Radwegen, schmalen und verkehrsarmen Straßen über Barkhausen und Wewer nach Borchen. Von dort über Gellinghausen, Etteln, Henglarn, Atteln nach Husen. Eine sehr schöne Strecke. Sehr leicht zu radeln und gut ausgeschildert. Es geht nur ganz leicht bergauf. Einen Nachteil hat dieser Teil der Route: In diesem Bereich Ostwestfalens werden viele Schweine gezüchtet und das riecht man dank der geruchsverstärkenden Schlitzböden in den Ställen dieser Orte leider auch. Das mindert die Lust, sich einen Ort einmal näher anzuschauen deutlich. Wir halten uns kurz auf oder fern davon und lassen uns dafür von der ruhigen Landschaft mit schönen Ausblicken entschädigen.

In Husen/Lichtenau entschieden wir uns für einen kleinen Schlenker nach Dalheim. Dort befindet sich eine beeindruckende, barocke und ehemalige Klosteranlage aus dem 15. Jahrhundert des Augustiner-Chorherrenstiftes. Das Kloster hatte seine größte Blüte zu Beginn des 18. Jahrhunderts, die meisten der heutigen Gebäude entstanden zu dieser Zeit.

Von dort ging es zurück zum Radweg und kurz danach leider über eine breite, schnell befahrene Straße hinauf zum höchsten Punkt unserer Reise, den wir hinter Blankenrode auf etwa 420 m Höhe erreichten. Hier befindet sich die Wasserscheide zwischen Rhein und Weser. Die Alme fließt in die Lippe und in den Rhein, wohingegen die Diemel in die Weser fließt.

Auf der anschließenden Abfahrt, den Humbertsberg hinunter, stellten wir nicht nur den beträchtlichen, klimawandelbedingten Waldschaden rund um uns fest. Leider hatte sich auch der Mantel meines Hinterrades altersbedingt erheblich ausgebeult. Die Faserverstärkung des Mantels war spröde geworden und gerissen. Also war an eine schnelle Abfahrt nicht zu denken.

Nun ging es hinab in die Ausläufer des Diemeltales, die uns bis zur Weser nun begleiten sollte. Das Schwarzbachtal hinunter bis nach Hardehausen, und dann nun an der Diemel entlang über Rimbeck, Wethen, Germete bis zu unserem Ziel nach Warburg. Eine wunderschön zu befahrene Strecke, die wir bei dem besten Wetter des Radfahrers, leichter Bewölkung und leichtem Sonnenschein, zurücklegten.

Warburg, mit seiner über 1000jährigen Geschichte nennt sich gerne auch das Rothenburg Nordrhein-Westfalens, ist sowohl von seiner Lage, als auch von seiner Architektur her, sehr sehens- und besuchenswert. Und es gibt in der Nähe des Bahnhofs ein Fahrradgeschäft, dass sich zum späten Nachmittag noch meines Hinterrades annahm. Es war nämlich auch noch eine Speiche gerissen. Leider nicht die letzte, aber das wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Übernachtet haben wir in der wirklich exzellenten Pension FAMOS Schlafen, wo wir nicht nur gut übernachteten, sondern auch am nächsten Morgen das beste Frühstück unserer Reise bekamen (Kontakt: Sabine Ludwig, Famos Schlafen, https://www.famosschlafen.de/).

Tag 1: Link zur Bikemap-Karte

https://www.bikemap.net/de/r/9447526/

Tag 2 - Von Warburg nach Kloster Corvey - 75 km

Entspannung pur und Abends Kilometer abreißen

Nach dem tollen Luxus-Frühstück fuhren wir weiter in östlicher Richtung ins Diemeltal hinab, und ich würde dieses Teilstück, von Warburg bis Bad Karlshafen an der Weser, als den schönsten Teil der Reise bezeichnen. Selten bin ich so entspannt und ruhig Rad gefahren. Eine wunderschöne, abwechslungsreiche, kurvige, gemütliche Strecke entlang der Diemel. Vorbei an der beeindruckenden Sandsteinbogenbrücke der Bahn über die Diemel ging es über Haueda, Liebenau, Lamerden, Eberschütz, Sielen nach Trendelburg, wo wir es so gerade noch zur, nur bis um 13 Uhr geöffneten Bäckerei im oberen Ortsteil des gemütlichen Örtchens geschafft haben. Wir saßen bei schönstem Wetter auf der Kirchwiese, hatten einen aussichtsreichen Blick auf die schön gezimmerten Fachwerkhäuser des Örtchens, das mit einer beeindruckenden Burg aus dem 13. Jahrhundert aufwarten kann.

Von Trendelburg folgten wir der ehemaligen Bahntrasse und Carlsbahn von Trendelburg nach Bad Karlshafen weiter Richtung Osten. Leider war der ehemalige Deiseler Tunnel gesperrt, da Diebe die Beleuchtung aus dem Tunnel gestohlen hatten. Aber auch der Umweg war schön zu fahren. Wer will kann im Café Mehlschwalbe im Wasserschloss Wülmersen Rast machen, leider fand ich die Mitarbeiter dort sehr unfreundlich.

Gegen Nachmittag kamen wir in Bad Karlshafen und endlich an der Weser an. Der Ort verfügt über ein einmaliges barockes Hafenbecken, dass wieder für die Nutzung durch Boote reaktiviert wurde und um das herum man fast unberührt vom Autoverkehr sitzen und Kaffee und Kuchen genießen kann.

Ein Kontrollanruf bei unserer Sportherberge im Kloster Corvey erbrachte, dass wir bis spätestens 18 Uhr ankommen mussten, da um diese Uhrzeit die Rezeption schließen würde. Da wir in Höxter noch ein paar Lebensmittel einkaufen wollten, hieß es ab jetzt voll in die Pedale zu treten, um es pünktlich zu schaffen.

So haben wir von den Orten Würgassen, Beverungen, Blankenau, Wehrden und Fürstenberg leider nichts außer einer schnellen Durchfahrt gesehen.

In Höxter angekommen erlebten wir unseren ersten Radfahrer-vs-Auto-Kulturschock. Nach nun fast 2 Tagen auf dem Rad auf kleinen Wegen, Bahntrassen und kleinen Sträßchen waren wir die absolut grotesk wirkende lärmende Wucht einer von Autos durchschnittenen Stadt nicht mehr gewöhnt. Niemals zuvor habe ich den Autoverkehr so sehr als Fremdkörper wahrgenommen, wie bei unserer Ankunft in Höxter. So sollte es uns auch in den nächsten Tagen in manchen Orten immer wieder ergehen. Höxter haben wir also trotz seiner architektonischen Schönheit nicht erlebt, denn wir kauften nur schnell ein und sind weitergefahren. Vom Ortskern sind es nur knapp 2 oder 3 km bis zur ehemaligen Benediktinerabei an der Weser aus dem 9. Jahrhundert. Unsere jugendherbergsartige Unterkunft lag in einem der Nebentrakte. Uns erwarteten eine mässig freundliche Aufnahme, Zimmer mit Stockbetten und eine nüchterne und praktische Ausstattung. Voll ausreichend, aber eher so 80er Standard. (Kontakt: Weser Aktivhotel https://www.weser-aktivhotel-corvey.de/) Dafür konnten wir nach unserem selbstgemachten Abendessen auf der schönen Terrasse der Herberge noch über das Klostergelände flanieren und die riesigen Anlagen des Klosters von außen bewundern.

Tag 2: Link zur Bikemap-Karte

https://www.bikemap.net/de/r/9447563/

Tag 3 - Von Corvey nach Hameln - 73 km

Die schöne, romantische Weser

Nun ging es die nächsten 2 Tage entlang der Weser weiter. Um halb neun Uhr morgens lag das Kloster in undurchdringlichem Nebel. Uns hat diese kühle und frische Fahrt durch die nebelige und feuchte Stimmung großen Spaß gemacht. Am Wegesrand konnten wir zahlreiche vom Morgennebel benetzte Spinnweben entdecken, vor uns tauchten Bruchstücke der Landschaft fahl im nebligen Dunst auf. Später blinzelte die Sonne von Südosten durch die Nebelschwaden. Ein schöner Tag begann.

Von Corvey ist es nicht weit bis Holzminden, wo wir uns mit Lebensmitteln und Picknick für den Tag eingedeckt haben. Weiter ging es über Forst nach Polle, dort rasteten wir am betriebsgestörten Fähranleger im Schatten einer großen Weide. Die Sonne schien auf die Burg von Polle, interessant war es vom anderen Ufer die Ausflügler zu betrachten, die vergeblich zur Fähre kamen. Über Reileifzen, Dölme, Rühle (Rast, Picknick, Imbiss und Toilettengelegenheit) traten wir bei sonnigem Wetter weiter bis nach Bodenwerder in die Pedale. Zeit die Blicke nach rechts und links schweifen zu lassen. Immer gab es etwas zu entdecken. Kleine Freuden in kleinen Entdeckungen. In Bodenwerder schlenderten wir durch diesen schönen Ort und stärkten uns mit einem fruchtigen und kühlen Milchshake.

Sehr schön Pause machen kann man aber auch ein paar Kilometer nach Bodenwerder, in Daspe, machen. Dort gibt es eine schöne Bank mit Aussicht auf das Wasserschloß Hehlen. Nach Daspe und dem schmucken kleinen Örtchen Hajen folgte Grohne, wo sich eine Bank mit einer sehr beunruhigenden Aussicht auf die riesigen Kühltürme des Kernkraftwerkes Grohnde findet. Und gerade lese ich, dass nach 36 Jahren Laufzeit das Kraftwerk zum 31. Dezember 2021 den Betrieb eingestellt hat. Leider müssen wir uns mit seinem Müll noch ein paar tausend Jahre herumschlagen.

Von Grohnde ist es über Latferde, Hagenohsen nicht mehr weit bis zur Rattenfängerstadt Hameln, die schon seit 1200 als Stadt bezeichnet wird. In der Renaissance erlebte Hameln seine größte Blüte, Hameln wurde Mitglied der Hanse und die reichen Erträge der Händler erlaubten die eindrucksvoll dekorierten Bauten, die bis heute das Stadtbild schmücken.

Den Abend in Hameln mit sehr leckerer Pizza haben wir genossen. Es ist immer ein schönes Gefühl, nach getaner Beinarbeit abends gemütlich zu schlendern und zu rasten. Hameln würde ich jederzeit Höxter vorziehen, aber auch in Hameln fanden wir die massive Art, wie der Autoverkehr die Lebensqualität beeinträchtigt, sehr störend. Unsere Unterkunft in Hameln war sehr gut, wir haben in der Pension Lange-Droit übernachtet, konnten unsere Fahrräder im Gartenschuppen trocken und diebstahlsicher unterstellen und erhielten ein sehr leckeres Frühstück auf dem zum Zimmer gehörenden Balkon. Morgens schon draußen frühstücken zu können, ist wirklich ein großer Genuss.

Tag 3: Link zur Bikemap-Karte

https://www.bikemap.net/de/r/9447600/

Tag 4 - Von Hameln nach Bad Oeynhausen - 62 km

Die ausladende Weser und ein Luxus-Kurort

Kurz nach Hameln wendet sich die Weser nach Nordwesten und das Wesertal öffnet sich ausladend nach beiden Seiten. Nun prägen großflächiger Ackerbau und Kies- und Sandgruben die Landschaft.

Der Radweg führt an der Weser entlang aus Hameln hinaus und wir haben uns mit Bedauern von dieser schönen Stadt verabschiedet. Durch Wehrbergen und Fischbeck ging es weiter bis nach Hessisch-Oldendorf, an dem wir nur vorbeifuhren. Kurz danach erwartete uns eine nette Überraschung, die ein Bauer den vorbeiradelnden Touristen bereitet, ein mobiler Getränke- und Essensselbstbedienungsschrank. Mit frischem Kaffee, Teewasser, kühlen Getränken aus einem Kühlschrank, Tütensuppen zum Aufwärmen und vielen Snacks. Bezahlung in einer Dose und auf Vertrauensbasis. Das Angebot haben wir mit Vergnügen angenommen und gerne unseren Obulus eingeworfen.

Weiter ging es durch eine von ehemaligen Kies- und Sandgruben zerfressene Landschaft, die aber auch den Lebensraum für seltene Tierarten bildet. So sahen wir südlich von Rinteln eine Gabelweihe, auch Rotmilan genannt, am Himmel. Ein sehr schöner Vogel. Sogar ein Seeadlerpärchen solle in der Nähe nisten, erzählte uns ein vorbeiradelnder Tierschützer, den wir zufällig trafen und der uns ansprach (weil ich mein Fernglas gen Vogel richtete).

Wir kamen in Rinteln an. Leider hat Rinteln den Fehler vieler Städte wiederholt und auf der östlichen Stadtseite ein hässliches Supermarktghetto errichtet, das von riesigen Parkplätzen umgeben ist. Prima für Autofahrer, dafür kann man in der Altstadt nicht mehr gut Einkaufen gehen. Autofahren ist angesagt und wieder einmal wirkt es alles so anachronistisch. Rückwandel tut Not. Nur glaube ich nicht daran.

Rinteln ist wirklich schön, nur war uns nicht mehr nach dieser Art von Zivilisation.

Entgegen der Empfehlung unserer letzten Gastgeber hatten wir keine Lust neben der A2 die Weser zu überqueren, also wechselten wir schon früher die Flussseite, was neue, aber andere Nachteile mit sich brachte. Das eBike meiner Frau hat eher eine straßentaugliche Slickbereifung und war nur schlecht für die matschigen Waldwege der Alternativstrecke geeignet. Es ist sehr unangenehm, wenn immer wieder in glitschigen Stellen das Hinterrad zur Seite ausbricht. Hinzu kam eine wütende Hundeattacke in Stemmen, was diesen Abschnitt zwischen Stemmen und Vlotho, inklusive der vielbefahrenen Bundesstraße zwischen Erder und Vlotho zum unangenehmsten Teil der ganzen Radtour machte.

Nach einer kurzen Rast in Vlotho, an das ich schulfreizeitbedingt sehr sehr unangenehme Erinnerungen habe, erreichten wir bei Rehme/In der Schlagde die Mündung der Werre in die Weser, den tiefsten Punkt unserer Reise, mit nur 42 m über dem Meeresspiegel.

Dort bogen wir auf den wunderschönen Radweg entlang der Werre nach Bad Oeynhausen ab, das wir nach 62 gefahrenen Kilometern relativ ausgeruht, aber sehr durstig erreichten.

In Bad Oeynhausen erlebten wir aus verschiedenen Gründen eine ganz andere Ankunft als in allen vorherigen Orten. Bad Oeynhausen ist reich, und so ist es gelungen, den Radverkehr von der Werre in den Ortskern von Bad Oeynhausen durch zwei Tunnel unterhalb von Straße und Eisenbahn zu verlegen. Das macht die Einfahrt extrem leise und entspannt. Außerdem erreicht man unmittelbar den Bereich um den Kurpark und fühlt sich gefangen von der ruhigen und erholsamen Stimmung, die über diesem luxuriösen Kurort zu liegen scheint.

Unsere Unterkunft entpuppte sich als das ehemalige Zuhause unserer Vermieterin, eine mehrstöckige, eindrucksvolle Jugendstilvilla, die wir ganz für uns alleine hatten, inklusive Gartennutzung. (Kontakt: Haus Grünwald, Bad Oeynhausen). Nach einer ausgiebigen Dusche machten wir uns auf den Kurpark und haben Bad Oeynhausen erkundet. Die Stimmung, die am Frühabend über dem ganzen Park lag, inmitten von Kliniken und großen Villen, war eigenartig friedlich, feierlich und ruhig. Das hat uns beiden sehr gut getan und ebenso gut gefallen. Neudeutsch würde man wohl Aufenthaltsqualität sagen, ich sage einfach: man kann überall toll sitzen, die Menschen und die Architektur betrachten, sich erholen. Und das war ja der Zweck der Reise. Perfekt. Bad Oeynhausen war wirklich ziemlich perfekt.

Tag 4: Link zur Bikemap-Karte

https://www.bikemap.net/de/r/9447680/

Tag 5 - Von Bad Oeynhausen nach Detmold - 53 km

Schöne Auen und durchs ländliche Ostwestfalen

Wir haben uns absichtlich für diesen Tag nicht so viel vorgenommen, da wir nachmittags noch das Freilichtmuseum in Detmold besichtigen wollten. Das haben wir auch pünktlich und rechtzeitig geschafft.

Von Bad Oeynhausen führte uns der Radweg wieder hinaus in die landschaftlichen wunderschönen Werre-Auen, die sich fast bis Löhne hinziehen. Wir fanden es beide interessant zu merken, wie wenig Lust wir noch auf Orte und den damit verbundenen Lärm hatten. Die Zeit in der Natur mit dem Rad hatte unsere Bedürfnisse sehr verändert.

Weiter ging es über Falscheide und den Spatzenberg nach Herford. Kurz vor Herford hörte ich es dann rappeln und ein Halt zeigte dann die Katastrophe. 4 Speichen waren gebrochen.

Konnten wir noch weiterfahren?

Wir entschieden, ja, wir fahren noch bis Detmold, aber vorsichtig und langsam, und möglichst entlang von zugänglichen Versorgungsmöglichkeiten, falls wir die Tour irgendwann doch abbrechen müssten. So fuhren wir dann immer in Straßen- oder Bahnnähe weiter und dann die letzten 5 km entlang der Bundesstraße 239 von Lage nach Detmold, das wir um 13 Uhr erreichten.

Wir machten uns ein wenig in unserer sehr gepflegten und reich friesisch dekorierten Unterkunft frisch (Kontakt: Gästehaus Dunkelberg) und liefen dann zum Freilichtmuseum. Große Parkplätze und eine lange Schlange erwarteten uns. Später machte ich im Freilichtmuseum eine aufregende Entdeckung. Ich sah ein Gebäude, dass ich selbst aus meiner Kindheit kannte. Einen alten Hof aus Ostentrop, der nach Detmold ins Museum verfrachtet worden war. Ostentrop ist der Geburtsort meiner Eltern und ich habe als Kind sehr viel Zeit dort verbracht. Es komme selten vor, sagte man mir im Museum, dass jemand ein Gebäude selbst an seinem alten Standort erlebt hätte.

Das Detmolder Freilichtmuseum zeichnet sich neben der Zusammenstellung der Gebäude aus weiten Teilen Westfalens und Lippe ganz besonders durch seine hügelige Lage aus. Vom Eingang kommend steigt man immer weiter auf, bis zu dem Teil, wo ein großer Teil der erhaltenen Gebäude zu einem Dorf gruppiert ist. Aber auch um dieses herum sind viele Dinge zu entdecken, weit verstreut liegen die erhaltenen Gehöfte und Bauernhäuser, Schulen, Mühlen und andere Gebäude auf dem Gelände. Eine Anschaffung der letzten Jahre ist unter anderem eine original eingerichtete Tankstelle aus den 50er Jahren. Es gibt gerettete Apotheken-, Schneider-, Kaufladen und Wohnhausinterieurs, die mich angesichts ihrer bescheidenen Einfachheit zweifeln lassen, ob wir mit unserer Art zu Wirtschaften wirklich alles richtig machen. Gebäude und Interieurs sind liebevoll und möglichst historisch korrekt zusammengestellt. Leider ist es gerade im landwirtschaftlichen Bereich nicht das Konzept des Museums, die Objekte mit echtem Leben zu füllen. Dies würde mich doch sehr interessieren. Ich muss mir eingestehen, dass ich den unangenehmen Teil unserer Kulturgeschichte gerne verkläre. Mir würde es helfen, wenn ich den Lebensalltag früherer Zeiten realistischer betrachten und erleben könnte, weil es mir die Härte, die es mit sich brachte, näher bringen würde. Ein sehr lohnenswerter Besuch und wer sich Zeit lässt, kann den ganzen Tag dort verbringen, die wunderschönen Fußböden, Fachwerke, Scheunentore, Kuhställe, Truhen, Ladeneinrichtungen und vieles vieles mehr bewundern.

Tag 5: Link zur Bikemap-Karte

https://www.bikemap.net/de/r/9610325/

 

tl, dr;

Bericht über eine sehr schöne, spätsommerliche Radtour von Paderborn über Diemel, Weser und Werre nach Detmold.

Kommentare (1)

  1. Sume Schürmann 04. Januar 2022

    Dieser Bericht ist wunderbar und ich konnte diese Reise noch einmal durchleben... Vielen Dank dafür


Schreibe einen Kommentar




Mit dem Absenden des Kommentars stimme ich zu, dass der genannte Name, die genannte E-Mail-Adresse von cronhill.de im Zusammenhang mit dem von mir verfassten Kommentar gespeichert wird. Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht oder an Dritte weitergegeben.