Conclusio Thomas Schürmann de

Der perfekte analoge Sommer

Lomo Belair X 6-12 Jetsetter

Abbaye de Beauport - Das perfekte Sommerbild; das Licht erinnert an Filme von Éric Rohmer.

Abbaye de Beauport

Das perfekte Sommerbild; das Licht erinnert an Filme von Éric Rohmer.
Foto: Thomas Schürmann, Lomo Belair X 6-12 Jetsetter , 2013

Ein analoger Sommer in der Bretagne - unterwegs auf der Ile Grande mit der Lomo Belair und verschiedenen Farbfilmen. Die Lomo Belair X 6-12 Jetsetter war im Angebot und ich konnte im Lomo Shop nicht Nein sagen. Also blieben alle elektrischen Geräte zu Hause.

Kiefern an einem Sommertag - Das zarte Blau, die sich im Schatten stauende Sonne, die warmen Granitsteine - sie bilden den perfekten Sommertag.

Kiefern an einem Sommertag

Das zarte Blau, die sich im Schatten stauende Sonne, die warmen Granitsteine - sie bilden den perfekten Sommertag.
Foto: Thomas Schürmann, Belair X 6-12 Jetsetter , 2013

Alles analog?

Ja, auch die Telefonate.

Es schwebte mir schon länger einmal vor: Ganz analog in den Urlaub fahren. Vor Ort die Schwarz-Weiß-Filme selbst entwickeln und sich den ganzen Urlaub nicht mehr von elektrischen Geräten ablenken lassen. Ich habe es der Familie dann einmal vorgeschlagen. Die Kinder waren 2013 noch klein genug, dass sie 2 Wochen auf elektrische Geräte wie iPads oder Smartphones verzichten konnten. Mir selbst fiel es nicht schwer, ich hatte ja jetzt eine analoge und arbeitsaufwändige Kamera.

Dabei stellte sich dann schon die Anreise als reines Abenteuer dar. Wir hatten nicht einmal ein halbdigitales Smartphone dabei. Überhaupt kein Telefon! Sic! Karten für die Anfahrt ebenfalls nur analog. Das Hotel in der ungefähren Mitte der Strecke sollte in einem Ort names Ailly sur Noye liegen, nach einstündiger Suche und Rückkehr auf die Autobahn fiel es uns dann buchstäblich in Form eines Schildes vor die Nase, es war ein Rastplatz-Hotel.

Der nächste Tag ging lustig weiter, da wir im Stau keine Gelegenheit hatten unseren Vermieter vom Smartphone aus anzurufen. Telefonzellen in Frankreich an den Nationalstraßen funktionieren, so noch welche da sind, mit Karten und nicht mit Münzen. Das Einzige was blieb war, eine kleine Kneipe anzusteuern und den kopfschüttelnden Wirt einmal um den Apparat zu bitten, der dann an einer langen schwarzen Schnur auf den Tresen gestellt wurde. Das haben wir in einer schönen Kneipe Les trois planeur in Bénouville gemacht.

 

Dinghis in knalligen Farben  - Wie der Reisende dösen im heißen Juli auch die Dinghis in der Sonne.

Dinghis in knalligen Farben

Wie der Reisende dösen im heißen Juli auch die Dinghis in der Sonne.
Photo: Thomas Schürmann, Belair X 6-12 Jetsetter , 2013

Wir sind bei unsere Reise in die Bretagne 2013 auf der Île Grande untergekommen, in einem wirklich wunderbaren Ferienhaus mit Tischtennis-Platte und leihbarem Kanu für ein paar Paddelausflüge mit den Kindern. Für Eltern mit Kindern in dem Alter von 12 und 10 ist die Insel mit ihren vielen Stränden und Buchten wirklich perfekt geeignet. Alles, inklusive eines Bäckers und eines Einkauflädchen lässt sich gut zu Fuß erreichen.

Aufgebocktes Boot bei Ebbe - Mein absolutes Liebllingsbild. Ich hätte niemals gedacht, dass mich der ausgeblichene ja ausgewaschene Look der Fotos so begeistern würde.

Aufgebocktes Boot bei Ebbe

Mein absolutes Liebllingsbild. Ich hätte niemals gedacht, dass mich der ausgeblichene ja ausgewaschene Look der Fotos so begeistern würde.
Photo: Thomas Schürmann, Belair X 6-12 Jetsetter , 2013

Kaffee hoch 2

Caffenol Entwickler

Die Belair X 6-12 Jetsetter ist eine komplett aus Kunststoff - ja selbst die Linsen - konstruierte Kamera, mit ein paar wenigen, aber wertigen Metallteilen. Sie verfügt über Batterien und eine automatische Belichtung. In die Rückwand lassen sich drei verschiedene Einsätze einlegen. Es gibt Einsätze für 6 x 6 cm, 6 x 9 cm  und 6 x 12 cm. Da ich die Filme hier in Wuppertal habe entwickeln und für kleines Geld digitalisieren lassen, sind alle farbigen 6 x 12 Bilder leider auf 6 x 9 beschnitten. Die Schwarz-Weiß-Filme habe ich soweit ich konnte bereits im Urlaub entwickelt. Dafür hatte ich einen lichtdichten Einlegesack dabei sowie alle weiteren Utensilien inklusive einer Feinwaage zum Abwiegen der Zutaten. 

Abends am Meer - Für diese Momente scheint ein analoger Film wie gemacht.

Abends am Meer

Für diese Momente scheint ein analoger Film wie gemacht.
Photo: Thomas Schürmann, Sigma DP Merrill, 2013

Unterwegs

Lomo Belair X 6-12 Jetsetter 

Es macht eine Menge Spaß, mit der Lomo Belair X 6-12 Jetsetter unterwegs zu sein. Nicht nur, dass man viel zu tun hat. Denn beim Format 6 x 12 cm ist der Film schon nach 4 Aufnahmen voll und ein neuer will eingelegt werden. Nein, es ist eher, dass man an den Touristenhotspots kaum Fotos machen kann, ohne angesprochen zu werden. Was ist denn das? Und was macht man damit? Wie funktioniert dieses? Ach, sie entwickeln mit Kaffee, Monsieur? Mit Kaffee? - Mais oui! - Aufmerksamkeitsheischende Kleidung kann man sich jedenfalls sparen. Es reicht sich die Kamera umzuhängen und schon lernt man zwei nette Russen kennen, die nur Polaroids fotografieren.

Für die jeweiligen Filmformate gibt es für die Belair Aufsetzsucher - aber es kommt nicht so sehr darauf an. Die Richtung muss stimmen, in die man die Kamera hält. Von der Bildqualität kann man erwarten, was man bekommt. Eher gemalte Fotografien, die in vielen Randbereichen nicht einmal versuchen scharf zu sein. Daran mag auch der eher schlechte Scan schuld sein. Die sehr gut gescannten Aufnahmen der Abbaye de Beauport zeigen hingegen das volle Korn, aber immer noch sehr viel Unschärfe. 

Conclusio

Im Urlaub mit analogen Kameras photographieren und selbst entwickeln geht und macht viel Spaß. Den Geruch nach Film-Fixierer darf man nicht unterschätzen, denn diesen empfinden bald alle in der Ferienunterkunft als sehr störend und unangenehm. Dabei macht die Kamera wirklich ausgezeichnete Aufnahmen. Mit einem guten Scan und sichtbarem Korn erwächst sich die Belair X 6-12 Jetsetter sogar zur empfehlenswerten Photomagierin, mit der man Aufnahmen machen kann, die in ihrer Stimmung nicht von digitalem Bildmaterial übertroffen werden können. Meiner Meinung nach, um Patrice Lessner zu folgen.

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