Conclusio Thomas Schürmann de

FP 3017

Fischkutter trocken gefallen

Detail - FP 3017 - Krebs- oder Hummerkörbe, Taue, Netzschwimmer, Bootsplanken

Detail - FP 3017

Krebs- oder Hummerkörbe, Taue, Netzschwimmer, Bootsplanken
Foto: Thomas Schürmann, Lomo Belair X 6-12 Jetsetter , 2013

Ist ein Boot eigentlich noch ein Boot, wenn es auf dem Trockenen liegt? Ist ein Fischer ein Fischer, wenn er gerade nicht fischt? Welchen Sinn ergeben Gegenstände, wenn sie nicht mehr das sind, was sie eigentlich sein sollen? Die 6 x 12 cm große, analoge Schwarz-Weißbild-Aufnahme zeigt einen trockengefallenen Fischkutter im Hafen des französischen Küstenörtchens Port Blanc in der Bretagne.

FP 3017 - Das trockengefallene Fischerboot. An Deck diverses Fischerzubehör.

FP 3017

Das trockengefallene Fischerboot. An Deck diverses Fischerzubehör.
Foto: Thomas Schürmann, Lomo Belair X 6-12 Jetsetter , 2013

Festgemacht

Lose Gedanken

Der 1984 in Paris verstorbene Paul-Michel Foucault schreibt in seiner gleichnamigen Abhandlung über Renè Magrittes Werk Ceci n’est pas une pipe das Offensichtliche auf: Das Abbild der Pfeife ist keine Pfeife. Die gezeigte Abbildung des Fischkutters ist kein Fischkutter. Foucault sagt auch, Magritte wäre es nicht nur um die Unterscheidung zwischen Abbild und Gegenstand gegangen, er hätte uns generell auffordern wollen, über das Wesen und die Realität der Dinge nachzudenken. Diese Erkenntnis - es ist keine Pfeife - ist in unser Allgemeinwesen übergegangen. Jedes Kind lernt Magritte in der Schule.

Was ist real? Was exisitiert und was bedeutet seine Existenz? Existenz kommt von lateinisch existere und bedeutet: hervortreten, zum Vorschein kommen. Die klassische Philosophie stellt der Existenz die Essenz zur Seite: bei Platon bedeutet sie „das Urbild der Dinge im Geist“. Magritte sagte selbst, Ein Gegenstand hängt nicht so sehr an seinem Namen, dass man nicht einen anderen finden könnte, der besser dazu passt.

Ist damit das Wesen oder seine Erscheinung gemeint?

Man sieht auf dem Foto, dass an Bord des Fischkutters ein Seil auf den Schiffsplanken liegt. Kein Seemann sagt aber Seil, er sagt Leine oder Tau. Der Bauer bindet seine Kuh an ein Gatter, dazu nimmt er ein Seil, sagt aber Strick. Ändert das Seil sein Wesen, wenn es von der Wiese auf ein Schiff gebracht wird? Seine Erscheinung ändert es nicht.

Was ist der Fischkutter, wenn er nicht auf See ist, und Fische fängt? Er liegt auf dem Trockenen. Dazu fällt mir die Redensart ein: Wie ein Fisch auf dem Trockenen. Er bekommt keine Luft, er ist nicht in seinem Element. Diese Redensart nutzt man zum Beispiel, wenn man mit einer Situation nicht zurecht kommt. Da liegt er, der Fischkutter, auf dem Trockenen. Ist es jetzt in diesem Moment ein Fischkutter? Seinem Wesen nach?

Was kann er tun, um wieder in eine für ihn genehme Situation zu kommen. Er kann nichts selbst tun. Natürlich. Aber selbst wenn ihn wieder die Wellen des Meeres umpülen ist es erst wieder ein Fischkutter, wenn der Fische die Körbe ins Meer wirft und ihm das Leben zurück gibt, wofür er einmal gemacht wurde.

Conclusio

Ich frage mich, ob der Fischkutter ein Fischkutter ist, wenn er nur auf dem Trockenen liegt?

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