Aquarellpapier richtig auf Holz aufziehen

Wie das Aufziehen von Aquarellpapier auf ein Holzbrett richtig gelingt.

Nur auf einem gut vorgespannten Bogen Aquarellpapier kann man gut und pfützenfrei arbeiten. Der Umgang mit Nassklebepapier beim Aufziehen von Aquarellbögen ist dabei nicht ganz einfach - ich persönlich finde solche Vorbereitungsarbeiten aber sehr entspannend. Da ich meistens über eine Zeit von 1-3 Monaten an meinen Bildern arbeite, ist es sehr wichtig, dass diese über den gesamten Zeitraum immer flach auf dem Malbrett verbleiben.

Anmerkung: Dies ist eine neue Version eines bereits 2011 geschriebenen Beitrags.

Nassklebepapier

Nur nicht nass machen

Die nicht ganz billigen Nassklebepapierrollen haben eine ganz dumme Eigenschaft: Sie ziehen im trockenen aufgerollten Zustand wie der Teufel das Wasser an. Und kommt nur ein Tropfen auf die Rollenseite oder gar mehr - ist die ganze Rolle oder ein großer Teil der Rolle unbrauchbar, weil sich alle Rollenbahnen miteinander verkleben. Deshalb: Die Rollen nur kurz in der Reichweite von Wasser aufbewahren. Zur Vorbereitung Streifen in der richtigen Länge abreißen, dann die Nassklebepapierrollen an einen trockenen Platz wegräumen.

Zur Vorbereitung lege man sich alles bereit:

  • ein Bogen Aquarellpapier
  • ein passendes Brett, dass auf allen Seiten ca. 3 cm größer sein sollte als der Aquarellpapierbogen
  • ein flacher Teller
  • ein frischer Haushaltsschwamm
  • mindestens 4 Streifen Nassklebepapier
  • bei sehr großen Bögen zu zweit arbeiten

Zum Brett

Ich habe alle meine Bretter einmal lackiert. Sie halten länger und das nasse Papier greift das Holz nicht an. Auf dem Lack klebt aber das Nassklebepapier schlecht. Deshalb klebe ich dort, wo später das Nassklebepapier landen soll, eine Bahn Nassklebepapier mit Holzleim auf. Der hält dann bombenfest. Die großen Bretter (ab 1m Breite oder Höhe) haben alle auf der Rückseite eine Verstärkungsleiste. Sie biegen sich sonst unter dem Zug des trocknenden Papiers durch.

Los geht's

Zu allerst markiere ich die Oberseite des Aquarellpapiers in einer Ecke mit einem Bleistiftkreuz. Dann reiße ich 4 Streifen Nassklebepapier in den erforderlichen Längen (2 mal die Höhe, 2 mal die Breite) ab und lege es bereit.

Wenn ich einen großen Bogen Aquarellbüttenkarton aufziehen will - im Moment arbeite ich mit Rives Arches Grain Torchon 135cm Rollenware - dann wässere ich das Aquarellpapier zunächst eine Weile, je nach Größe des Papiers in der Badewanne, es geht aber auch ein wasserdichter Blumenkasten. Es darf nicht zu lange wässern - dann kann es beim Trocknen sogar reißen - solange es gut geklebt ist. Aber auch nicht zu kurz  - sonst wellt es sich bei großem Farbauftrag bzw. wenn man beim Malen sehr viel Wasser verwendet.

Ich lasse den Bogen aufgerollt so 10 - 15 Minuten in der Wanne, dann lasse ich ihn so lange abtropfen, bis wirklich nur noch alle Minuten ein Tropfen abtropft.

Den Bogen lege ich nass und mit der Vorderseite nach unten flach auf mein Brett. Jetzt trockne ich die Rückseite des Bogens mit einem frischen Geschirrtuch gründlich ab (nur tupfen). Ich hebe den Bogen an, trockne das Brett einmal ab und lege den Bogen nun mit der Rückseite auf das Brett in seine endgültige Position.

Jetzt tauche ich den Schwamm in Wasser und wringe ihn etwas aus. Das restliche Wasser sammelt sich unten im Schwamm. Ich lege den Schwamm mit der weichen Seite nach unten mittig auf den Teller, schiebe ein Stück des Nassklebepapierstreifen darunter und ziehe den gesamten Nassklebepapierstreifen unter dem Schwamm auf dem Teller hindurch. Er wellt sich sofort und will gut festgehalten sein. Ich klebe nun diesen Streifen hälftig auf Aquarellbogenrand und Brettunterlage fest und wiederhole dies auf allen Seiten. Ich habe es mir angewöhnt dann rundherum noch einen Streifen halb überlappend auf den vorherigen Streifen und die Unterlage zu kleben. Damit ist der Aquarellbogen 100% fixiert und kann jetzt in Ruhe trocknen.

Zeit sich einen Kaffee zu machen oder den Aquarellkasten zu reinigen - oder auf dem Ende eines Pinsels herumzukauen.

Grundsätzlich föhne ich das Papier nicht und ich lasse dem Papierbogen Zeit sich zu entspannen und zu trocknen.

Was kann schiefgehen?

  • man verknickt das Papier beim Entrollen in der Wanne
  • man verheddert sich beim Benässen des Streifens
  • man nimmt zu wenig Wasser
  • das Aquarellpapier ist zu nass
  • man quetscht beim Andrücken den Kleber heraus
  • die Unterlage liegt nicht waagerecht und das Wasser läuft auf dem Rücken des Aquarellbogens nach unten und nässt von hinten das Papier
  • im schlimmsten Fall löst sich das Nassklebepapier wieder

Lösung für das Ablösen:

Bei halbfeuchtem Aquarellbogen und abgelöstem Nassklebepapier kann man sich mit Leim helfen. Damit streiche ich die abgelösten Stellen ein und klebe damit das Nassklebepapier auf dem Bogen fest.

Sobald ich das Bild fertig gemalt habe, schneide ich es in der Mitte zwischen den aufgeklebten Nassklebepapierstreifen heraus. Ich weiß, dass viele das vielleicht als Frevel empfinden, weil das Aquarellpapier eine natürliche Schöpfkante hat - diese gibt es bei Blockbögen nicht sondern nur bei handgeschöpften Einzelbögen. Und auch bei meinen Rollenaquarellpapieren reisse ich die Bögen nicht ab sondern schneide sie.

Theoretisch könnte man dass Nassklebepapier auch wieder ablösen. Dazu müßte man die Streifen befeuchten - das führt meiner Meinung nach aber zum Wellen des Aquarellbogens - eine schreckliche Vorstellung für mich.

Insgesamt gehört das Aufziehen von Aquarellbögen für mich zu den entspannenden Vorbereitungsarbeiten und es gibt nichts Schöneres als ein naturweißes sauberes entspanntes malbereites Aquarellpapier

tl, dr;

Stets flach bleibendes Aquarellpapier ist beim Malen etwas Wunderbares.Mit etwas Geduld lässt sich das Aufziehen von Aquarellbögen auf Holzbretter einfach bewerkstelligen.

Quellen

Nassklebepapier oder Nassklebeband

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