Briefe an Irene

Gedanken zu meinem ersten Newsletter

Im Juli 2024 startet mein erster Newsletter: »Briefe an Irene«. In dieser speziellen Form soll es um Themen gehen, die mir in den letzten Jahren mehr bedeuten: Literatur, Architektur, Geschichte, Anekdotisches aus Lektüre und meinem Zettelkasten.

Anfangen möchte ich mit ein paar Fragen: Schreibt Ihr viele Briefe? Bekommt Ihr noch welche? Zu wem haltet Ihr noch intensiven persönlichen und schriftlichen Kontakt? Sind es bei Euch durch Corona auch so viele weniger geworden?

Die guten und engen Freunde bleiben.

Mit meinen engen Freunden stehe ich weiter in einem intensiven Austausch, sowohl via E-Mail, als auch gelegentlich per Post. Eine Kulturtechnik, die für mich mehr ist, als nur physisches Papier. Aber auch über E-Mails kann man sich trefflich freuen und sie sich für den Lesegenuss der ruhigen Minute in den Tag und den richtigten Moment schieben. So handhabe ich das. Ihr Lieben da draußen, Danke dafür.

Warum noch ein Newsletter?

Von einem fernen Ort

Über einen Newsletter habe ich lange nicht nachgedacht, bis mein Freund Arne mit einem startete. (untitled

Ui, dachte ich. Das ist der Lauf der Zeit, vielleicht? Oder doch eher so 2000er.

Ja, Nein. Jetzt habe ich lange gewartet, nachgedacht, und ganz wichtig, mit meinen guten Freunden möchte ich weiterhin in einem engen und persönlichen Austausch bleiben, direkt.

Und meinen eigenen Newsletter starte ich jetzt aus verschiedenen Gründen:

In dieser Zeit von Diskurs, Dissonanz, Empörung und Verrohung möchte ich über anderes schreiben: Einigung, Einverständnis, Harmonie, Affirmation (Bejahung) und Menschlichkeit. Das klingt anspruchsvoll, und ist es auch. Das Veilchen ist bescheiden, schrieb Burns , aber Forster lässt es bei Florenz einen ganzen Hang hinunterströmen. Also einmal schauen, was aus meinem Anspruch wird.

Mir fehlte allerdings noch eine Idee.

Seite 8 in Henry David Thoreaus Walden, im Mai 2023 gelesen, kam mir da gerade recht und rechtzeitig ins Gedächtnis.

Walden

» Außerdem verlange ich persönlich von jedem Schriftsteller am Anfang oder am Ende seines Werkes einen einfachen und aufrichtigen Abriß über sein eigenes Leben und nicht nur darüber, was er von anderer Menschen Leben gehört hat. Einen Bericht, wie er ihn seinen Verwandten aus einem fernen Land schicken würde, denn wenn er aufrecht gelebt hat, muß es in einem fernen Land von hier gewesen sein.«

Quelle: Seite 8, Thoreau, Henry David, Anneliese Dangel (Übers.) : Walden oder Leben in den Wäldern. Anaconda Verlag, Köln 2009.

Der Punkt für mich hier ist der Bericht, wie man ihn seinen Verwandten aus einem fernen Land schicken würde. Eine Methode, den Romanautorinnen und -autoren auch gerne in Briefen verwenden. Die Methode generiert, obwohl mitten im Geschehen, Abstand und erlaubt es Autorin wie Autor Dinge schreiben zu lassen, wie man sie weder sagen noch in einem Roman schreiben würde. Aber im Brief. Wie es Dorothy Leigh Sayers den Butler Mervyn Bunter in »Busman's Honeymoon« an seine Mutter schreiben lässt, »Liebe Mutter, ich schreibe Dir von einem ›unbekannten Ziel‹ auf dem Lande, und hoffe, dass dieser Brief Dich so gesund und munter antrifft, wie er mich hier verläßt.« Ich schreibe an eine Person, die ich kenne, dieses Denken kontrolliert meinen Satz und meinen Stil , und vielleicht gelingt es mir durch dieses an eine Freundin und respektvoll behandelte Verwandte gerichtete Schreiben mehr Nähe, mehr Affirmation und mehr Verbundenheit — Liebe zu vermitteln. 

Und so möchte ich schreiben, als würde ich es einer Verwandten schreiben, und da kommt für mich nur eine in Frage, das ist meine Tante Irene. An sie möchte ich mich richten, ihr gegenüber im besten Sinne Rechenschaft über mein Leben ablegen und meine Freude und Liebe mit ihr teilen. Um 1854 schrieb Emerson sinngemäß in sein Tagebuch, »wenn Du lernen willst zu schreiben, dann auf der Straße«. Die Straße, das ist die Öffentlichkeit, das seid Ihr. Wenn Ihr Lust habt, meine Gedanken und meine Schreiberei zu lesen, womöglich mit mir in den Austausch zu kommen, um so schöner. 

Ganz klar also, der Newsletter heißt:

Briefe an Irene

Es geht um Literatur, Geschichte, Anekdotisches, Laterales, Alltägliches, Komisches, Aufmerksames. Wenn Ihr meinen Blog und mich in einem sozialen Netzwerk verfolgt habt, wisst Ihr, wie das gemeint ist; solltet Ihr hier neu sein, die Startseite ist ein guter Einstieg. Kurz und gut, es geht um etwas, das der Übersetzer Jürgen Brôcan ganz ans Ende seiner Emersonschen Tagebuchübersetzungen gestellt hat:

»Alles Schreiben sollte affirmativ sein.«

Hier könnt Ihr Euch anmelden, der erste Brief geht (via E-Mail) am 8. Juli raus.

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tl, dr;

Warum ich jetzt einen Newsletter namens Briefe an Irene herausgebe, wie und an wen ich ihn schreiben möchte.

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