No 44
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Lieblingsstücke II

Eine Anspitz-Station für TK-Bleistifte

Anspitzstation Detailansicht - Detailansicht der auswechselbaren Winkelspitzen des Dahle-Anspitzers

Anspitzstation Detailansicht

Detailansicht der auswechselbaren Winkelspitzen des Dahle-Anspitzers
Foto: Thomas Schürmann, Nikon D800E, Sigma Art 50mm/1:1,4 DG, 23.09.2021

Eine wunderschöne Anspitzstation für TK-Stifte im Vintage-Look entstand in meiner Werkstatt als Geschenk für einen Freund. TK-Stifte sind eine umweltschonende Alternative für hölzerne Bleistifte. Nur sind leider gute Anspitzer rar geworden.

Wir verbrauchen mehr Resourcen, als nachwachsen können. Mehr Resourcen, als uns zustehen, vor allem im Westen. Ich finde auch Kleinigkeiten tragen zur Resourcenschonung bei. Dies sind für mich gebrauchte Artikel zum einen, und Verbrauchsartikel, die den Gesamtverbrauch senken. Einen kleinen Beitrag können meiner Meinung nach Fallminenbleistifte wie der TK-Stift von Faber-Castell dazu leisten.

Für einen sehr guten Freund habe ich dies zum Anlass genommen, mit einem alten Anspitzer von Dahle und einigen gebraucht eingekauften TK-Stiften und einem Holzrest aus meiner Wühlkiste ein schönes Schreibtisch-Set anzufertigen. Aber zuvor ein paar Worte zum TK-Stift und der Geschichte des Bleistiftes, der ja eigentlich ein Graphit-Ton-Stift ist.

TK-Fallminenbleistifte - Von unten nach oben. Mein ältestes Stück, noch mit erhaben ausgeführter Beschriftung. Danach der TK 9500 mit wertiger Metallhülse unterhalb des Druckknopfes, weiß bedruckt und ein längerer TK 9400. Oben die neuesten Modelle mit farbigem Druckknopf, eigentlich für farbige Minen gedacht im neuen Faber-Castell-Grün. Und ja, gelegentlich habe ich mal auf einem Ende gekaut. ;-)

TK-Fallminenbleistifte

Von unten nach oben. Mein ältestes Stück, noch mit erhaben ausgeführter Beschriftung. Danach der TK 9500 mit wertiger Metallhülse unterhalb des Druckknopfes, weiß bedruckt und ein längerer TK 9400. Oben die neuesten Modelle mit farbigem Druckknopf, eigentlich für farbige Minen gedacht im neuen Faber-Castell-Grün. Und ja, gelegentlich habe ich mal auf einem Ende gekaut. ;-)
Foto: Thomas Schürmann, Nikon D800E, Sigma Art 50mm/1:1,4 DG, 08.10.2021

Gar nicht aus Blei?

Eine kleine Geschichte des Bleistiftes in Europa

Der Bleistift ist ein selbst in Europa schon ziemlich altes Handwerkzeug. Seit 1558 wird in Keswick, im Lake District des nördlichen Englands, der heute sogenannte Bleistift hergestellt. Ein einzigartiges Vorkommen an Graphit im nahen Borrowdale machte es möglich, den kristallisierten Kohlenstoff = Graphit in längliche Stücke zu sägen und - später - mit Holz zu ummanteln. Mit der Holzummantelung brachen die Minen nicht mehr so schnell ab und außerdem blieben die Finger sauber. Heute stellen die Hersteller wie Faber-Castell die Graphitmine aus gepresstem Graphit her, der anschließend noch gebrannt wird. Zuvor hatte man mit echtem Blei oder Kohle oder anderen gepressten Pulvern gezeichnet, gemalt oder geschrieben. Die englische Bezeichnung Pencil geht auf eine pinselartige Bürste aus Kamelhaar zurück, lateinisch pincellus.

Die deutsche Sprache ist nicht die einzige, die den Graphitstift bis heute Bleistift nennt, obwohl er überhaupt kein Blei mehr enthält. In Irland heißt der Bleistift peann luaidhe, im Arabischen qalam ra??? und viele andere Sprachen verweisen auf das Blei im Stift.

Ich hatte das Glück, das Bleistiftmuseum in Keswick besuchen zu können, es lohnt sich.

Graphit ist schon seit dem 18ten Jahrhundert bekannt. "1778 wies der deutsch-schwedische Chemiker Carl Wilhelm Scheele nach, dass es sich bei dem da schon seit bald 200 Jahren verwendeten Rohstoff um ein auf Kohlenstoff basierendes Mineral und nicht um Blei handelt." (Quelle: Wikipedia) Später gab der Mineraloge Abraham Gottlob Werner dem neuen Material den Namen Graphit. England war mit der Entdeckung der Graphitlagerstätten in Borrowdale im Vorteil. Da Graphit auch für andere, meist militärische Zwecke eingesetzt wurde, zum Beispiel für den Bau von Schmelztigeln für Kanonenkugeln, gab es für den wertvollen Rohstoff Ende des 18ten Jahrhunderts ein Exportverbot. Das machte den Herstellern auf dem Festland zunächst das Leben schwer, bis man entdeckte, dass man Graphit auch mahlen, mit Tonpulver mischen und als Pulver pressen konnte. "1795 entdeckte der Franzose Nicolas-Jacques Conté ein Verfahren, mit dem auch unreiner Graphit aus Minen in Deutschland und Österreich verwendet werden konnte. Er pulverisierte das abgebaute Material und schlämmte dann den Graphit aus." (Quelle: ebd.) Die Härtegerade, wie wir sie heute kennen, entwickelte Joseph Hardtmuth. "1790 vermischte der Wiener Joseph Hardtmuth erstmals Graphitstaub mit Ton und Wasser und brannte ihn in einem Ofen. Je nach Menge des Tons konnte er damit den Härtegrad festlegen." (Quelle: ebd.)

Hardtmuth gründete später das österreichische Unternehmen Koh-i-Noor Hardtmuth (persisch f. „Berg von Licht“, nach dem berühmten Koh-i-Noor-Diamanten). Die Unternehmensfamilie ist auch für die Entwicklung von 17 verschiedenen, bis heute erhaltenen Härtegraden verantwortlich.

Conté und Hardtmuth gelten als Grundsteinleger des modernen Bleistifts, durch das Pressen und Brennen von Graphit wurde erst die wirtschaftliche Massenproduktion von Bleistiften möglich. In Folge gründeten sich in Nürnberg die Unternehmen Faber-Castell, Lyra, Staedtler und Schwan-Stabilo.

Allein die vier Nürnberger Unternehmen stellen heute jährlich drei Milliarden Bleistifte her. Auch wenn zum Beispiel Faber-Castell auf einer eigenen Plantage einen nachwachsenden Nutzwald für die Bleistiftproduktion anbaut, ist der weltweite Holzverbrauch dennoch enorm. Lange war es Zedernholz, heute wird vornehmlich Pinienholz eingesetzt.

Druckbleistifte

Es gibt aber auch eine Möglichkeit, gänzlich ohne Holzverbrauch mit Graphitminen zu schreiben, und diese Möglichkeit wird durch die Druckbleistifte, Minenschreiber oder Fallminenbleistifte gegeben. Schon 1822 erhielten der britische Silberschmied Sampson Mordan und sein Partner John Isaac Hawkins in Großbritannien das erste Patent auf einen nachfüllbaren Bleistift. Rund um den nachfüllbaren Bleistift entstand ein reichhaltiges Innovationswesen, über 160 Patente auf die Verbesserung von Druckbleistiften wurden erteilt.

Der Japaner Tokuji Hayakawa brachte 1915 in Japan einen Feinminenstift unter dem Namen Ever-Ready Sharp Pencil auf den Markt, der auf einem Schraubmechanismus basierte. Dieser neuartige Stift gab der Herstellerfirma später ihren Namen: Sharp. Das bis heute bekannte und am meisten übliche Prinzip der Klemmzange entwickelte der Amerikaner Charles Rood Keeran. Keerans Stifte wurden unter dem Namen Eversharp entwickelt.

Heute üblich sind Minen mit einer Stärke von 0,2 mm bis 1,18 mm, die in einer Klemmzange gehalten werden. Am Ende des Stiftes ist ein Druckknopf, durch den Druck darauf, wird die Klemmzange gelöst und die Mine um ein Stück vorgeschoben.

Diese dünnen Minen können nicht gespitzt werden, so dass die Linienbreite in der Regel durch die Minendicke vorgegeben wird.

Fallminenstifte - der TK-Stift

1948 entwickelte Faber-Castell einen neuartigen Stift bei dem die Mine dicker ist: den TK-Sift. Die Funktionsweise und Bauart hat sich bis heute nicht wesentlich geändert. Die Mine ist, bis heute in der Regel unverändert,  2 mm dick - und wird ebenfalls von einer Klemmzange gehalten wird, bei Druck auf den Knopf am Ende wird die Mine allerdings völlig freigegeben und fällt vorne aus dem Stift heraus.

Die Fallminenstifte setzten sich in den 1970er und 1980er Jahren in den meisten Zeichenbüros durch. Die Minen müssen angespitzt werden, dies kann mit Schleifpapier geschehen oder mit speziellen Fallminenspitzern zum Beispiel von Dahle oder von Möbius + Ruppert. Leider werden zur Zeit keine Fallminenanspitzer mehr hergestellt, die über Einsätze für verschiedene Anspitzwinkel verfügen. Diese waren noch in der Hochzeit des Bleistiftes, als noch nicht mit CAD-Systemen gezeichnet wurde, sehr beliebt.

Die Form und Farbe der Stifte aus dem Hause Faber-Castell hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich gewandelt. Der erhabene spritzgegossene Schriftzug ist einem aufgedruckten gewichen, das Grün hat sich von einem hellen Laubgrün RAL 6002 zu einem eher flaschengrünen oder schwarzgrünen Farbton gewandelt, RAL 6007 oder 6012. Diese Farbeinschätzungen sind aber nur vermutet, intern heißt die Farbe nur Faber-Castell-Grün.

Faber-Castell brachte aber auch einen, heute kaum noch bekannten Flachminen-TK-Stift heraus, den TK 9600. Dieser verfügte über eine breite und flache Mine und einen Drehmechanismus, um die Mine vorne aus der breiten Führung herauszudrehen. Ich konnte in den frühen 90er Jahren ein paar Minen und 2 dieser Stifte beim Bürobedarf Müller, Friedrich-Engels-Allee 117 am Wuppertaler Haspel erstehen.

Wer weiter in die Geschichte des Bleistiftes und seine vielen Varietäten und Entwicklungen eintauchen möchte, dem seien diese drei Websites empfohlen:

- Dave's Mechanical Pencils 
- Die alte Leadholder-Website / Leider nur im Archiv
- Cultpens.Com Guide to mechanical pencils

 

Anspitzstation - Anspitzdose von Dahle mit auswechselbaren Winkeleinsätzen und 2 Faber-Castell TK-Fallminenstifte

Anspitzstation

Anspitzdose von Dahle mit auswechselbaren Winkeleinsätzen und 2 Faber-Castell TK-Fallminenstifte

Detail I - Ich mag die schlichte Gestaltung der Anspitzdose.

Detail I

Ich mag die schlichte Gestaltung der Anspitzdose.

Detail II - Der weiße Papierzylinder dient dazu verbliebenen Schleifstaub abzustreifen.

Detail II

Der weiße Papierzylinder dient dazu verbliebenen Schleifstaub abzustreifen.

Detail III - Ansicht von oben. mit den 2 Löchern unterhalb des grünen Einsatzes wird vor dem Anspitzen die Tiefe eingestellt.

Detail III

Ansicht von oben. mit den 2 Löchern unterhalb des grünen Einsatzes wird vor dem Anspitzen die Tiefe eingestellt.

Dahle Anspitzer und Faber-Castell TK-Stifte

Vintage-Schreibtisch-Garnitur

Das Stück Zebrano lag noch in meiner Restekiste. Ich habe es 2005 bei ebay gekauft, das würde ich heute nicht mehr tun. Jedes Stück gekauftes Tropenholz gefährdet den Regenwald, und es gibt gute heimische Alternativen: Buche, Kirsche, Eiche, Robinie, Walnuss, Apfel, Birne. Diese Hölzer lassen sich auch alle beizen und zum Beispiel in Streifen verarbeiten, so dass ein ähnlicher Eindruck entsteht. Wegwerfen, gebe ich zu, wollte ich es aber auch nicht.

Den Dahle-Anspitzer mit verstellbaren Spitzen habe ich auf eBay ersteigert, den gibt es leider nicht mehr neu zu kaufen. Leider hatte ich die letzten Wochen keine Zeit, bei Dahle nach der Produktionszeit des Produktes zu fragen. Heute gibt es keinen Bedarf mehr für unterschiedliche Anspitzwinkel bei Fallminenbleistiften mit 2 mm dicker Mine. Dahle hat als einer der wenigen Anbieter aber noch einen rotierenden Anspitzer für Fallminenstifte im Angebot, die Minenspitzdose 301. 

Für die Aufbewahrung des Dahle-Sets habe ich einen Ausschnitt eingefräst, Löcher gebohrt und alles geschliffen und im Anschluß mit Sprühfirnis versiegelt. Mattfirnis in dem Pumpflasche nutze ich für Holz sehr gerne, es schützt sehr gut, trägt nicht auf und belässt die feine Holzstruktur im Originalzustand. 

Gefällt Euch die Garnitur? Dann schreibt es mir in den Kommentaren.

Conclusio

Ein paar Gedanken zu Bleistiften und dem Holzverbrauch, der mit der Produktion einhergeht. Bau einer schönen Anspitz-Station für einen guten Freund aus Zebrano-Holz und einem Dahle-Anspitzer mit auswechselbaren Winkeleinsätzen. Danke A., dass ich die Bilder hier teilen darf.

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