Madeleine-Amélie Franc-Nohain

Eine französische Illustratorin der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts

Heute möchte ich Euch eine französische Illustratorin vorstellen, die in Frankreich wahrscheinlich vielen noch bekannt ist, deren Arbeiten in Deutschland heute wohl aber niemand mehr vor Augen haben dürfte.

Es geht um Madeleine-Amélie Franc-Nohain, auch Marie-Madeleine Franc-Nohain oder Madeleine-Amélie Dauphin. Sie war eine französische Illustratorin, die an vielen bekannten Kinderbüchern mitgewirkt hat und selbst unter ihrem Namen Bücher veröffentlichte. An einem Buch, dass der Twitter-Account @GallicaBnF am 09. Februar 2022 im Rahmen eines kleinen Ratespiels vorgestellt hat, war sie ebenfalls als Künstlerin und Illustratorin beteiligt. @GallicaBnF ist der Account der digitalen Bibliothek der französichen Nationalbibliothek @laBnF oder Bibliothèque nationale de France.

Dazu vorab ein kleiner Schritt zur Seite. 

Madeleine-Amélie Franc-Nohain - Rémi en vacances, Mademoiselle Henriete s'installe pour peindre.

Rémi en vacances, Mademoiselle Henriete s'installe pour peindre.

Illustration von Madeleine-Amélie Franc-Nohain. Dieses Bild habe ich ausgesucht, weil oftmals Illustratoren sich unbewusst selbst darstellen. Außerdem hat mir diese Szenerie gut gefallen.

Quelle: Bibliothéque Nationale de France Gallica

Sophie de Ségur

Les Malheurs de Sophie

Im Ratespiel ging es um das Buch Les Malheurs de Sophie, was am ehesten wohl mit Sophies Missgeschicke oder Die Pech-Sophie übersetzt werden kann. Gefragt wurde, wer es wohl geschrieben hat. Ich kannte es leider nicht einmal. Obwohl die Geschichten um die kleine Sophie in ihrer Bedeutung wohl am ehesten den Geschichten um den deutschen Struwwelpeter von Heinrich Hoffmann gleichkommen. Das französische Kinderbuch stammt von einer der berühmtesten und wichtigsten Kinderbuchautorinnen des 19. Jahrhunderts.

Geschrieben hat es die Comtesse Sophie de Ségur, sie ist am 1. August 1799 in St. Petersburg geboren und verstarb am 9. Februar 1874 in Paris. Der Todestag der Autorin war der Grund für das Ratespiel. Die Gräfin war geborene Russin, der Stammbaum reicht bis zu den mongolischen Khans der Goldenen Horde und der Familie von Dschingis Khan zurück. Geboren als Sofia Fjodorowna Rostoptschina war sie das dritte Kind der geborenen Gräfin Katharina Protassowa, eine ehemalige Brautjungfer von Katharina II. und des russischen Generals und Ministers Fjodor Wassiljewitsch Rostoptschin.

Wie kam die Comtesse nach Frankreich?

Nicht nur, dass es im 19. Jahrhundert üblich war, dass die Kinder der russischen Aristokratie von ausländischen Lehrern erzogen wurden. Sie lernten sogar manchmal schon vor dem Russischen Französisch oder Deutsch; wurden zu Verwandten in der europäischen Aristokratie geschickt. Französisch war eine beliebte Sprache am russischen Hofe, so konnte man sich vom normalen Volk abheben. In Folge der Ereignisse rund um den Einmarsch der Grande Armée Napoleons in Russland musste Fjodor Rostoptschin fliehen und gelangt über Polen, Deutschland schließlich mit seiner Familie nach Frankreich. Zurück liess er ein Anwesen mit über 4000 Beschäftigten.

Sophie heiratete in Frankreich unglücklich den späteren Präsidenten der Eisenbahngesellschaft Ost, Eugène de Ségur, ihr Vater schenkte ihr dafür zum Trost ein Landgut in der Normandie, sie bekam 8 Kinder und nach der Geburt des letzten Kindes ist sie dann 13 lange Jahre bettlägrig.

Als es ihr wieder besser geht, sind die Kinder aus dem Hause. Sie schreibt schließlich viele Briefe an sie, dann schreibt sie Romane, diese erscheinen im Verlag Bibliothèque des Chemins de Fer, einer Reihe, die der Verlag Hachette als Reiselektüre auf Bahnhöfen verkaufte. Sie wurde eine begehrte Autorin, konnte die Nachfrage des Verlages kaum befriedigen. Luise F. Putsch schreibt auf Fembio.org über ihren Stil:

Luise F. Putsch

Sophie de Ségur war stilistisch sehr innovativ; z.B. gibt es unverbundene Dialogpassagen wie in Theaterstücken, es werden Fremdsprachen und Dialekte gesprochen. Jedes ihrer 24 Bücher widmete Ségur einem ihrer Enkelkinder, das sie mit dem jeweiligen Buch direkt ansprach, indem sie seinen Namen benutzte und seine Charaktereigenschaften in den Text einwob.

Das strukturell bestimmende Element der Bücher Ségurs ist, so die Ségur-Spezialistin Christine Lac, die Idee der Versöhnung widerstreitender Charaktere oder gegensätzlicher Situationen. Es geht ihr immer darum, die zugrundeliegenden Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten und zu betonen.

Quelle: Sophie de Ségur, https://www.fembio.org/

Les Malheurs de Sophie

Möglicherweise arbeitet sie in ihrem Buch Les Malheurs de Sophie ihre Kindheit auf dem riesigen Gut Woronowo ihres Vaters in Russland auf. Über ihre Kindheit wird gesagt, sie sei ein unruhiges kleines Mädchen gewesen, Strafen waren an der Tagesordnung.

Wovon handelt das Buch?

Die Geschichte handelt von dem kleinen frechen Mädchen Sophie, dass auf einem Schloss auf dem Lande in Frankreich während des zweiten Französischen Kaiserreichs aufwächst. Als abenteuerlustiges Mädchen ist sie neugierig, aber ihr passieren viele Missgeschicke. Ihr Cousin Paul ist die Figur, die sie immer wieder auf den richtigen, den wohlerzogenen Weg bringen soll. Sophie hat zwei Freundinnen: Camille und Madeleine de Fleurville. Beide stellen weitere Vorbilder für Sophie dar, denn sie sind gut erzogene, gebildete "richtig gute" kleine Mädchen, denen Sophie nacheifern soll.

Das Buch ist bis heute populär und erfolgreich. Es wurde dreimal verfilmt, zuletzt 2016 unter dem Titel Les Malheurs de Sophie von Christophe Honoré.

Madeleine-Amélie Franc-Nohain - Comtesse de Ségur, Les Malheurs des Sophie, Illustrationen und Titel von Madeleine-Amélie Franc-Nohain

Comtesse de Ségur, Les Malheurs des Sophie

Quelle: Bibliothéque Nationale de France Gallica

Ausgabe von 1933

Madeleine-Amélie Franc-Nohain

Um 1933 legt der Verlag Tours Maison Alfred Mame et Fils die Geschichten um die vom Pech verfolgte Sophie neu auf. Als Illustratorin wird die damals 55 jährige französische Zeichnerin und Künstlerin Madeleine-Amélie Franc-Nohain engagiert.

Madeleine-Amélie Franc-Nohain wurde am 6. Juni 1878 in Valmondois als eine von zwei Töchtern aus der Ehe von Marguerite Pigot (1852-1917) mit dem Musiker und Dichter Léopold Dauphin (1847-1925) aus dem Languedoc. Im Alter von 21 Jahren heiratet sie am 3. März 1899 den Schriftsteller Maurice Étienne Legrand, genannt Franc-Nohain, dessen Künstlernamen sie annimmt, um ihre Werke zu signieren. Ihr unter dem Künstlernamen Franc-Nohain bekannter Mann schrieb unter anderem das Libretto der Oper Die Spanische Stunde von Maurice Ravel, die 1912 uraufgeführt wird.

Zu diesem Zeitpunkt ist Madeleine-Amélie Franc-Nohain gerade 34 Jahre alt.

Costumes Parisiens Fashion illustration No.76 from Journal des dames et des modes, 1913 - Robe de jardin en toile bleu vif, Marie Madeleine Franc-Nohain. Costumes Parisiens, Journal des Dames et des Modes 1913
Costumes Parisiens Fashion illustration No.76 from Journal des dames et des modes, 1913 - Robe de jardin en toile bleu vif, Marie Madeleine Franc-Nohain. Costumes Parisiens, Journal des Dames et des Modes 1913
Vielfältige Arbeiten

Erste Erfolge

Wahrscheinlich ihr Vater vermittelte sie an die Zeitschrift L'Aube méridionale, für die sie einige Zeichnungen erstellte.

Madeleine-Amélie Franc-Nohain arbeitete sehr aktiv als Illustratorin, unter anderem für die Zeitschrift L'Aube méridionale, an der ihr Vater, der Languedoc-Musiker und Dichter Léopold Dauphin mitarbeitete; sie arbeitet für die Zeitschrift Paris-Noël von Gustave Goetschy, schließlich erstellt sie ab 1902 Illustrationen für Le Rire unter den Unterschriften "mf-n" oder "Maud Franc-Nohain" und von 1912 bis 1914 für das Journal des dames et des modes unter dem Monogramm "mfn". Dies sollte Ihre Signatur bleiben.

Die obige Arbeit zeigt wunderschön den typischen Stil des von vielen modernen Modezeichnungen dieser Epoche, elegant, schlank, aufstrebend und leicht. Tauben und vielleicht Ölzweige als Zeichen des Friedens.

Le Journal de bébé, das Album zum Ausfüllen und Ausmalen erscheint 1914 in zwei Versionen: blau für Jungen und rosa für Mädchen. Seht nur die elegante Typografie.
Le Journal de bébé, das Album zum Ausfüllen und Ausmalen erscheint 1914 in zwei Versionen: blau für Jungen und rosa für Mädchen. Seht nur die elegante Typografie.
Eine richtige Berühmtheit - Le Journal de bébé

Das Babyalbum

Ihr erstes eigenes Buch veröffentlichte sie 1914 in der Éditions Grasset, es hieß Le Journal de bébé, und erscheint in zwei Versionen: blau für Jungen und rosa für Mädchen. Es wird mehrmals neu aufgelegt, 1927, 1980 von Nestlé und 1987 vom Metropolitan Museum of Art.

Et moins bien pour finir - Und weniger gut zum Schluss; Madeleine-Amélie Franc-Nohain: Histoires Parisiennes, gallica.bnf.fr/  <br /> NATÜRLICH ist die Idee zu schön, um nicht weiterverfolgt zu werden. Und da sind sie die vier Kinder, die sich so gut es geht auf der Rutsche inmitten von Paketen und Kartons niederlassen. Michelle und Marie-Françoise werden von Luc und Claude betreut. Aber die Kinder hatten vergessen, dass ein Abstieg zwar immer gut beginnt, aber manchmal auch schlecht endet. Und so war es eher ein Schock, als sie am Ziel ankamen und zwischen den Paketen durchrutschten.
Et moins bien pour finir - Und weniger gut zum Schluss; Madeleine-Amélie Franc-Nohain: Histoires Parisiennes, gallica.bnf.fr/
NATÜRLICH ist die Idee zu schön, um nicht weiterverfolgt zu werden. Und da sind sie die vier Kinder, die sich so gut es geht auf der Rutsche inmitten von Paketen und Kartons niederlassen. Michelle und Marie-Françoise werden von Luc und Claude betreut. Aber die Kinder hatten vergessen, dass ein Abstieg zwar immer gut beginnt, aber manchmal auch schlecht endet. Und so war es eher ein Schock, als sie am Ziel ankamen und zwischen den Paketen durchrutschten.
Erfolge

Von 1900 bis 1940

In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen illustrierte sie zahlreiche Kinderbücher bei Plon, Flammarion, Larousse, Desclée de Brouwer und vor allem Mame. Marie-Madeleine trägt regelmäßig in der Rubrik Benjamines zu der von ihrem Sohn Jean gegründeten Zeitung Benjamin bei.

Gerade die bei Mame publizierten Bücher sind meiner Meinung nach von besonderer Anmut und Schönheit, aber auch die in anderen Verlagen erschienenen Bücher zeichnen sich durch ihren leichten Stil zu illustrieren aus. Darunter auch

Histoires Parisiennes, Pariser Geschichten

aus dem die obige Abbildung stammt. Das Buch enthält 30 Illustrationen, davon viele farbig.

Im Intro heißt es: "Die Kinder haben in ihren Dialogen und Spielen oft hübsche Einfälle. Das macht den Charme der Alben aus, in denen sie die Hauptrolle spielen. Was diese so geistreich gezeichneten "Pariser Geschichten" noch attraktiver macht, ist die Tatsache, dass sie in der köstlichsten aller Szenerien spielen: Paris. Wir gehen von den Champs-Élysées zum Bassin des Tuileries, unter den Eiffelturm und in die großen Kaufhäuser."

Bei der oben gezeigten Abbildung muss ich tatsächlich an Schuh Voss in Wuppertal-Elberfeld denken, die auch eine Rutsche in ihrem Schuhgeschäft hatten. In meiner Erinnerung dürfte sie wahrscheinlich größer sein, als sie war, aber in dieses Geschäft bin ich als Kind mit meinen Eltern gerne gegangen. 

Viele weitere Bücher folgen:

Jeux

Spiele, 1934
Ein Buch über Kinderspiele, wie Verstecken u.a. - Wunderschön leicht und zart illustriert, großzügige Ausnutzung des Weißraums, anmutig gezeichnete Bewegungen
Komplett illustriert.
Das Buch digital bei Gallica: Jeux

Les Animaux Sauvages 

Die wilden Tiere, 1933
30 Illustrationen, davon 15 farbig. Die vielen Farbtafeln und die sie begleitenden Texte laden zum Erzählen, Vorlesen und weiterspinnen von Geschichten ein. 
Das Buch digital bei Gallica: Les Animaux Sauvages

Alphabet en images

31 farbige Illustrationen zum Alfabet mit begleitenden Texten. Zum Buchstaben C (Das habe ich natürlich nicht zufällig ausgewählt) heißt es: Colette dans sa cabane donne de coquelicots a son cabri. Auf deutsch: Colette in ihrer Hütte gibt ihrem Zicklein Mohnblumen. 
Das Buch digital bei Gallica:  Alphabet en images

Animaux Domestiques et familiers

Haus- und Hoftiere
30 Illustrationen, davon 8 farbig - Zeichnungen, die zum Ausmalen einladen. 
Das Buch digital bei Gallica: Animaux domestiques et familiers

Histoires Infantines

30 Zeichnungen, davon 8 farbig / Marie-Madeleine Franc-Nohain
Das Buch digital bei Gallica: Histoires enfantines - Kindergeschichten

Dazu im Vorwort

In diesem Album finden die Kinder vertraute Szenen, die mit viel Charme und Ehrlichkeit ausgewählt wurden und an ihre kleinen Sorgen, Spaziergänge und Spiele erinnern. Zu den liebevoll gestalteten Illustrationen, von denen einige in harmonischen Farben gehalten sind und zur Geschmacksbildung beitragen, haben die Kinder ihre oft so kuriosen und unvorhergesehenen Gedanken hinzugefügt.

So werden wir nicht nur mit der Freude der Kleinen belohnt, die sich auf diesen lebendigen Seiten wiedererkennen, sondern auch mit dem Lächeln der Großen, die sich über all die Dialoge amüsieren, die aus dem Leben gegriffen sind und die sie noch zu hören glauben. Und dieses Album wird - was bei einem Album ein sicheres Zeichen für den Erfolg ist - einen Siegeszug durch das Heim antreten, wo es die Aufmerksamkeit und das Lachen aller auf sich ziehen wird.

Übersetzung: Thomas Schürmann. Quelle: Madeleine-Amélie Franc-Nohain, Histoires enfantines. 30 gravures dont 8 en couleurshttps://gallica.bnf.fr

Viele Bücher sind mit dem Aufdruck « Cet album peut être colorié » versehen, was soviel bedeutet wie: „Dieses Album kann koloriert werden“. Auch wenn es Sammlern heute das Leben erschwert, mich freut das und viele Kinder dürften es geliebt haben. 

Der Krämer rauchte auf seiner Türschwelle, Rémi en Vacances, Jean Armagnac. Illustration Madeleine-Amélie Franc-Nohain
Der Krämer rauchte auf seiner Türschwelle, Rémi en Vacances, Jean Armagnac. Illustration Madeleine-Amélie Franc-Nohain
Im Rhythmus von Monaten

Arbeiten für andere

Drei Kinder zog Madeleine-Amélie Franc-Nohain während ihres Lebens groß. Für die Illustration eines Buches soll sie in etwa drei Monate benötigt haben. Neben Werken, auf denen nur ihr Name stand, illustrierte sie neben dem bekannten Buch Les Malheurs de Sophie noch eine ganze Reihe anderer Arbeiten, unter anderem ein Buch ihres Sohnes Jean Nohain (1900 - 1981). 

Les grands hommes quand ils étaient petits

Große Männer, als sie klein waren, 1931
von Jaboune bürgerlich Jean Nohain (1900 - 1981), ihr Sohn
Titelillustration, Zeichnungen
Das Buch digital bei Gallica: Les grands hommes quand ils étaient petits

Ein weiteres Buch wurde für die Comtesse de Ségur illustriert:

Un Bon Petit Diable

Un Bon Petit Diable - Ein guter kleiner Teufel von 1931
von Comtesse de Ségur
Farbige Illustrationen, Strichzeichnungen
Das Buch digital bei Gallica: Un Bon Petit Diable

Chanton Noël

Für den Pädagogen, Komponisten und Orchesterchef Ernest van der Velde, den Erfinder der Méthode Rose für das Piano, illustrierte sie 1938 das Buch Chanton Noël - Weihnachtslieder. Die Lieder im Buch sind mit farbigen Illustrationen hinterlegt.

Leider habe ich es auf Gallica nicht gefunden. Auf eBay fand ich eine Auktion, wo ein paar Blicke ins Buch möglich waren.

Rémi en Vacances

Für Jean Armagnac illustrierte sie das Buch Rémi en Vacances - Rémi in den Ferien. Aus diesem Buch ist auch das obige größere Bild. 

Das Buch atmet den Charme der Mode der dreißiger Jahre, die den Text begleitenden Illustrationen sind auf eine interessante und andere Art und Weise dem Text zur Seite gestellt. In den illustrierten Szenen gelingt es Madeleine-Amélie Franc-Nohain mit einfachen Strichen Situationen des Alltags und Charaktere darzustellen. Die Kompositionen sind ausgewogen und durchbrechen den starren Rahmen einer rechteckigen Zeichenfläche an vielen Stellen. Die Arbeiten für dieses Buch gefallen mir besonders gut.
Das Buch digital bei Gallica: Rémi en Vacances

Stil

Kinder, spielende Kinder, erlebende Kinder - sie tragen die Illustrationen und beherrschen sie. In den Gesichtern der Kinder, in der gezeichneten Freude sieht man die Liebe ihrer Schöpferin.

Sie stellt die Kindheit mit zum Teil naiv wirkenden Strichen dar, aber ihr Blick als Mutter dreier Kinder auf das Leben derselben bleibt frei von Rührseligkeit, er ist neutral und beobachtend, dabei aber sehr detailgenau.

Ihre Illustrationen wirken durch ihre einfachen, meist runden Formen, durch die sanften flächigen Farben leicht und luftig, die Kinder teils puppenhaft mit lauter Engelsgesichtern. Szenen stehen meist auch große leere Flächen gegenüber, die den Figuren viel Platz für Spiele und Aktivitäten einräumen. Ihre Farben sind zart und klar, pastellig und vor allem meist fröhlich bunt, niemals traurig oder dunkel.

Jeux. Marie-Madeleine Franc-Nohain ; mit Versen ihrer Tochter Francine Franc-Nohain (1914-1970). Francine wurde ebenfalls Illustratorin.
Jeux. Marie-Madeleine Franc-Nohain ; mit Versen ihrer Tochter Francine Franc-Nohain (1914-1970). Francine wurde ebenfalls Illustratorin.
2. Weltkrieg

Epilog

Ihren Mann überlebte Madeleine-Amélie Franc-Nohain um sechs Jahre. Er verstarb am 25. Oktober 1934 im 7. Arrondissement von Paris und wurde auf dem Friedhof Père-Lachaise (Abteilung 89) beerdigt.

Nicht nur für die vielen Menschen in Europa bedeutete der 2. Weltkrieg eine Zäsur, auch für die französische Illustratorin war die Eroberung von Frankreich und Paris ein tiefer Einschnitt.

1940 flüchtete Madeleine-Amélie Franc-Nohain mit ihrer Tochter und ihrer Schwiegertochter nach Genillé in der Nähe von Tours. 1942 erkrankte sie schwer, wurde vor Ort ins Krankenhaus eingeliefert und starb am 1. September 1942. Sie wurde auf dem Friedhof Père-Lachaise (89. Abteilung) beigesetzt, wo sie mit ihrem Mann und ihren Kindern ruht. Nach ihrem Tod reisten ihre Tochter und ihr Schwiegersohn Claude Legrand nach Gibraltar und schifften sich nach England ein, um sich den Forces françaises libres anzuschließen.

Nach ihrer Rückkehr nach Frankreich nahm ihre Tochter Francine ihre künstlerische Karriere als Illustratorin von Kinderliteratur wieder auf. Von ihr stammt unter anderem das Buch Contes sans fées - Märchen ohne Feen, ein schöner Titel finde ich. Stilistisch kann man bei diesem Buch deutlich die künstlerische Verwandtschaft zur Mutter sehen.

Ihr Sohn Jean Nohain, Künstlername Jaboune wurde in Frankreich zu einem bekannten Dramatiker, Texter und Drehbuchautor. Auch als Radio- und Fernsehproduzent und Moderator dürfte er vielen älteren Franzosen noch bekannt sein. Er verstarb 1981.

Sein Bruder Claude Dauphin ist ein bekannter französischer Schauspieler, der seit 1930 in mehr als 120 Filmen mitspielte. Er verstarb 1978.

Änderungen:

10.02.2022: Angaben zu Werken im Text neu formatiert, in den Quellen möglichst alle Werke von Madeleine-Amélie Franc-Nohain aufgenommen und strukturiert.

15.02.2022: Preisangabe zu Alphabet en Images ergänzt. Das Buch kostete 1924 6 fr. 50.

16.02.2022: Im Intro weitere, teilweise auch von Verlagen genutzte Schreibweisen ihres Namens im Intro ergänzt: Marie-Madeleine Franc-Nohain oder Madeleine-Amélie Dauphin.

tl, dr;

In meinem neuen Essay stelle ich die französische Illustratorin Madeleine-Amélie Franc-Nohain vor. Bekannt wurde sie durch die Illustration zahlreicher Kinderbücher.

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